“Nazi-Leaks”: NPD-Kader bewaffnen sich

Von GAMMA | Veröffentlicht am: 07/10/2011

Offenbar haben sich führende NPD-Aktivisten aus Leipzig und Umgebung illegal mit scharfen Waffen ausgestattet: Laut internen Partei-Dokumenten, die der GAMMA-Redaktion vorliegen, sind der Leipziger NPD-Chef und Landesvorstands-Mitglied Helmut Herrmann sowie das Mutzschener NPD-Landtagsmitglied Winfried Petzold und dessen Frau in Besitz von Pistolen und Gewehren gelangt. Petzold ist auch Betreiber des so genannten NPD-”Bürgerbüros” (“Nationales Zentrum”) im Leipziger Stadtteil Lindenau. [1]

In einer E-Mail vom 8. Juli 2011 rühmt sich der Borsdorfer Gerd Fritzsche damit, den drei Personen “durch den Reservistenverband der Bundeswehr in Leipzig” sowohl Waffen als auch die vorgeschriebenen Waffenbesitzkarten besorgt zu haben. Die E-Mail ist unten im vollen Wortlaut dokumentiert.

Hintergrund

Fritzsche ist selbst kein NPD-Mitglied, sitzt aber als Sympathisant mit NPD-Mandat seit 2008 im Kreistag des Leipziger Landes. Außerdem ist er ehemaliges Mitglied der neonazistischen Leipziger Burschenschaft “Germania”. [2]

Innerparteilich gilt Fritzsche als Querulant. Weil er sich nicht an Absprachen hielt, hat ihm die NPD-eigene “Kommunalpolitische Vereinigung” (KPV), die Mandatsträger der Partei schult und koordiniert, bereits zum Jahresanfang die Unterstützung entzogen. Nachfolgend kam es zum Zwist mit dem sächsischen NPD-Chef Holger Apfel, der Fritzsche vom jüngsten Landesparteitag am 9. Juli im erzgebirgischen Auerbach kurzerhand ausgeladen hat. Darüber wurde auf Nazi-Websites öffentlich berichtet.

In der nachfolgend dokumentierten E-Mail polemisiert Fritzsche gegen Apfel, abgeschickt wurde der Text nur einen Tag vor dem Landesparteitag. Apfel will sich bekanntlich beim kommenden NPD-Bundesparteitag am 15./16. Oktober in Dessau zum Bundesvorsitzenden wählen lassen [3] und erhielt dafür beim Landesparteitag den Zuspruch der Deligierten der sächsischen Kreisverbände. [4] Allerdings gibt es auch im Umfeld des eigenen Landesverbandes Kritik an Apfel – die hier von Fritzsche schriftlich dargelegt wurde.

Einschätzung der Rechtslage

Wie genau Fritzsche die Waffenbesitzkarten besorgt hat, die den Besitz von Schusswaffen erlauben, ist unklar. Falls seine Schilderung stimmt, sind sie jedoch unrechtmäßig ausgeteilt worden: In Sachsen werden sie ausschließlich von Kreis- und Stadtverwaltungen ausgestellt – und nicht vom Reservistenverband. Bedingung ist laut Gesetz das “Vorliegen der erforderlichen Zuverlässigkeit” [5], damit scheiden vorbestrafte Personen aus.

Herrmann wurde zuletzt 2010 wegen Verwendens von NS-Symbolen rechtskräftig verurteilt. Bei wörtlicher Auslegung des Waffengesetzes können Waffenbesitzkarten auch nicht an Personen ausgegeben werden, die Mitglied von Organisationen sind, welche “gegen den Gedanken der Völkerverständigung, insbesondere gegen das friedliche Zusammenleben der Völker, gerichtet sind”. Die NPD dürfte diese Ausschlussklausel erfüllen.

Herkunft und Authentizität

Die E-Mail stammt von einem Mailserver der NPD, der offenbar von Hackern geknackt wurde. Der gesamte Datenbestand – zehntausende Mails aus 79 Accounts zahlreicher Kreis- und Landesverbände sowie Unterorganisationen und von Funktionären der NPD – wurde Mitte September bereits der Presse zugespielt. [6] Schon im Februar 2011 waren zahlreiche NPD-E-Mails unter dem Schlagwort “Nazi-Leaks” veröffentlicht worden. Damals wurde u.a. bekannt, dass die NPD das Abstimmverhalten ihrer kommunalen Mandatsträger – darunter auch ihrer beiden Leipziger Stadtratsabgeordneten – durch regelrechte Befehle steuert. [7]

Den Datenbestand des neuerlichen Hacks und damit auch die hier dokumentierte E-Mail schätzen wir nach mehrwöchiger Prüfung als zweifellos authentisch ein.

Über die Weise der Datenbeschaffung liegen uns indes keine Informationen vor. Als Begleiterscheinung des digitalen Angriffs auf die Nazipartei sind zahlreiche ihrer “Weltnetzseiten” aber noch immer nicht erreichbar.

Quellen und e-mails im Volltext bei >>> Gamma < <<

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Dessau wehrt sich gegen NPD-Parteitag

© Volksstimme 30.09.2011 05:26 Uhr

Dessau-Roßlau/Magdeburg (dpa). Die Stadt Dessau-Roßlau wehrt sich gegen einen geplanten Bundesparteitag der NPD. Die Kommune werde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Halle Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Magdeburg einlegen, teilte ein Sprecher gestern mit. Die Grünen luden mit einem offenen Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein, am 15. Oktober in die Stadt zu kommen, um gemeinsam mit Vertretern aller demokratischen Parteien, von Verbänden, Vereinen, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Kräften Gesicht gegen Nazis zu zeigen.

Die Verwaltungsrichter in Halle waren zu dem Schluss gekommen, dass die NPD wie andere politische Parteien zu behandeln ist und diese am 15. Oktober die „Anhalt-Arena“ in Dessau-Roßlau für den Bundesparteitag nutzen darf. Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) erklärte, dass die NPD-Anhänger in Dessau-Roßlau unerwünscht sind. Am 12. Oktober werde es eine Sondersitzung des Stadtrates geben, um mit einem Beschluss ein deutliches Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Unterdessen formiert sich auch außerhalb des Rathauses Widerstand gegen den NPD-Bundesparteitag. „Ziel ist es, der rechtsextremen NPD zu zeigen, dass sie mit ihrer menschenfeindlichen braunen Ideologie in der Stadt unerwünscht ist“, sagte ein Sprecher des Netzwerkes „Gelebte Demokratie“. Es gebe bereits jetzt großen Zuspruch zum Protest. Dem Netzwerk gehören laut Sprecher rund 50 Vereine, Verbände und Organisationen sowie Bürger, Vertreter von Parteien, Kirchen und Gewerkschaft an.

Die NPD hatte den juristischen Streit um den Austragungsort des Bundesparteitages in Dessau-Roßlau vor dem Verwaltungsgericht Halle gewonnen. Laut Satzung ist das Sportzentrum nicht für politische Veranstaltungen zugelassen. Die CDU hatte aber am 18. März mit Bundeskanzlerin Merkel ihre Abschlussveranstaltung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dort abgehalten. „Wenn auf diese Art und Weise eine Satzung geändert wird, dann gilt das für alle, dann haben auch andere politische Parteien das gleiche Recht“, sagte die Gerichtssprecherin. Die NPD sei keine verbotene Partei.

Die Dessauer Stadtverwaltung sieht die städtische Sportstättensatzung nicht außer Kraft gesetzt, nachdem die Kanzlerin während der CDU-Veranstaltung auftrat. „Die einmalige Ausnahme war äußerst kurzfristig notwendig geworden, da die Halle des Technikmuseums Hugo Junkers nicht zur Verfügung stand“, erklärte die Kommune. In dem Museum sollte ursprünglich die CDU-Wahlkampfveranstaltung sein.

„Der Besuch der Kanzlerin hätte sonst abgesagt werden müssen, was aus verständlichen Gründen als Option nicht infrage kam“, hieß es weiter in der Mitteilung der Stadt.

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Dessau-Roßlau klagt gegen NPD-Parteitag
– Grüne laden Merkel ein

Foto: dpa

NPD unerwünscht: Dessau-Roßlau
will gerichtlich gegen einen von der Partei
in der Stadt geplanten Bundesparteitag vorgehen.

Dessau-Roßlau/Magdeburg. Die Stadt Dessau-Roßlau wehrt sich gegen einen geplanten Bundesparteitag der NPD. Die Kommune werde gegen einen Beschluss des Verwaltungsgerichts Halle Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht (OVG) in Magdeburg einlegen, wie ein Sprecher am Donnerstag mitteilte. Die Grünen luden mit einem Offenen Brief Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ein, am 15. Oktober in die Stadt zu kommen, um gemeinsam mit Vertretern aller demokratischen Parteien, von Verbänden, Vereinen, Kirchen und anderen gesellschaftlichen Kräften Gesicht gegen Nazis zu zeigen.

Die Verwaltungsrichter in Halle waren den Angaben zufolge zu dem Schluss gekommen, dass die NPD wie andere politische Parteien zu behandeln ist und diese daher am 15. Oktober die „Anhalt-Arena“ in Dessau-Roßlau für den Bundesparteitag nutzen darf. Oberbürgermeister Klemens Koschig (parteilos) erklärte, dass die NPD-Anhänger in Dessau-Roßlau unerwünscht sind. Am 12. Oktober werde es eine Sondersitzung des Stadtrates geben, um mit einem Beschluss ein deutliches Zeichen gegen Rechts zu setzen.

Unterdessen formiert sich auch außerhalb des Rathauses Widerstand gegen den NPD-Bundesparteitag. „Ziel ist es, der rechtsextremen NPD zu zeigen, dass sie mit ihrer menschenfeindlichen braunen Ideologie in der Stadt unerwünscht ist“, sagte ein Sprecher des Netzwerkes „Gelebte Demokratie“. Es gebe bereits jetzt großen Zuspruch zum Protest. Dem Netzwerk gehören laut Sprecher rund 50 Vereine, Verbände und Organisationen sowie Bürger, Vertreter von Parteien, Kirchen und Gewerkschaft an.

Die NPD hatte den juristischen Streit um den Austragungsort des Bundesparteitages in Dessau-Roßlau vor dem Verwaltungsgericht Halle gewonnen, wie eine Gerichtssprecherin einen Bericht der „Mitteldeutschen Zeitung“ bestätigte. Laut Satzung ist das Sportzentrum nicht für politische Veranstaltungen zugelassen. Die CDU habe aber am 18. März mit Bundeskanzlerin Merkel ihre Abschlussveranstaltung zur Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dort abgehalten. „Wenn auf diese Art und Weise eine Satzung geändert wird, dann gilt das für alle, dann haben auch andere politischen Parteien das gleiche Recht“, sagte die Gerichtssprecherin. Die NPD sei keine verbotene Partei.

Die Stadtverwaltung von Dessau-Roßlau sieht die städtische Sportstättensatzung nicht außer Kraft gesetzt, nachdem die Kanzlerin während der CDU-Veranstaltung auftrat. „Die einmalige Ausnahme war äußerst kurzfristig notwendig geworden, da die Halle des Technikmuseums Hugo Junkers nicht zur Verfügung stand“, erklärte die Kommune. In dem Museum sollte ursprünglich die CDU-Wahlkampfveranstaltung sein.

„Der Besuch der Kanzlerin hätte sonst abgesagt werden müssen, was aus verständlichen Gründen als Option nicht infrage kam“, hieß es weiter in der Mitteilung der Stadt. Der Beschluss des Verwaltungsgerichts ist den Angaben zufolge noch nicht rechtskräftig

(Aktenzeichen: 6B187/11).
© LVZ-Online, 29.09.2011, 19:37 Uhr

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Vor dem Parteitag: Pro-Apfel-Front wächst

Von GAMMA | Veröffentlicht am: 20/09/2011

Nachtrag: Noch im Laufe des Tages hat Udo Voigt gegenüber der TAZ erklärt, an seinem Posten festhalten zu wollen und erneut um den Parteivorsitz zu kandidieren. In den Parteimedien steht dazu noch nichts. Auf der Website der Bundes-NPD wurde Voigts vorige Erklärung zum Ausgang der Berlin-Wahl – ein offenes Eingeständnis der Niederlage – stillschweigend entfernt und durch eine optimistischere Einschätzung (“…Wahlkampf […], den Berlin von der NPD in dieser Stärke noch nicht gesehen hat”) aus der Feder Uwe Meenens ersetzt.

Der Posten des NPD-Parteivorsitzenden Udo Voigt wackelt: Beim kommenden Bundesparteitag, der vermutlich am 15. und 16. Oktober in Gera stattfinden wird, will der sächsische Landesvorsitzende Holger Apfel um den Chefposten kandidieren (GAMMA berichtete zuerst und mehrfach). Nach der für die NPD enttäuschenden Berlin-Wahl mit 2,1 Prozent der Zweitstimmen und Mandatsverlusten in den Bezirksversammlungen werfen nun immer mehr Funktionäre ihre Stimme in Apfels Waagschale. Er selbst präsentiert sich als Hoffnungsträger, ihm fehlt jedoch ein klares Programm.

Nur einen Tag nach der Wahl bestätigte der sächsische NPD-Landesverband in einer offiziellen Mitteilung die Kandidatur Apfels. Während des Berlin-Wahlkampfes herrschte in der Partei noch ein Burgfrieden, aber der Personalwechsel ist von langer Hand geplant. In der sächsischen Erklärung heißt es, dass Udo Pastörs für den Stellvertreterposten zur Verfügung stünde. Keinen Bezug genommen wird auf die versehentlich bekannt gewordene “Wunschliste” Apfels mit 16 Namen, gewissermaßen eine Schattenregierung für neu zu besetzende Führungsposten.

Apfels wirbt mit zweifelhaftem “Erfolgsweg”

Indes empfiehlt sich Apfel in einem Interview mit der faschistischen Monatszeitschrift “Zuerst” (ehemals “Nation + Europa”), das auf der Website “Deutschland Echo” vorab veröffentlicht wurde, als legitimer Thronfolger. Ohne Führungswechsel drohe der Partei “ein Stillstand, in dem die NPD nur noch verwaltet wird und junge Idealisten von der Fahne gehen.” Apfel wolle daher “den Erfolgsweg aus Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern auch auf andere Parlamente aller Ebenen ausdehnen” und dafür die “öffentliche Wahrnehmung deutlich verändern.”

Das ist eine Anspielung auf die klaren NS-Bezüge im Berlin-Wahlkampf, etwa das “Gas geben”-Plakat samt Konterfei Voigts oder eine Wahlkampfzeitschrift mit einem Kreuzworträtsel, dessen Lösungswort “Adolf” lautet. Apfel verurteilt dies als aussichtslosen “Nostalgie- und reinen Provokationswahlkampf”, der nur auf “Tabubrüche” aufbaue. Doch bekanntlich waren die größten Kritiker der Elche früher selber welche – auch die sächsische NPD unter Apfel ist vor allem wegen ihrer Tabubrüche bekannt geworden. Man denke an Apfels Gerede vom “Bombenholocaust”; und man denke an einen sächsischen NPD-Abgeordneten, der mit Pistole in den Landtag kamen.

Auf die Frage, wie die Parteiarbeit künftig erfolgreicher gestaltet werden könne, antwortet Apfel entsprechend unkonkret. Er verspricht unter seiner Führung “die Professionalisierung unserer Arbeit, die Modernisierung unseres Erscheinungsbildes und die Nachwuchsgewinnung über qualifizierte Bildungsarbeit”. Strategisch solle die NPD sich auf den “Kampf gegen die EU” und die Europawahl 2014 konzentrieren. Allerdings ist bereits die von Apfel mitgetragene Anti-Euro-Kampagne schnell verpufft, aus der angedachten Kampagnen-Kundgebung am 20. August in Leipzig wurde nichts.

Rückendeckung durch Funktionäre

Apfel erhält auch Unterstützung aus der bisherigen Führungsriege der Partei: Das Vorstandsmitglied Eckart Bräuniger hat sich in einem Interview für “Altermedia” auf Apfels Seite gestellt – nur zwei Tage nach der Berlin-Wahl. Bräuniger leitet den “Deutsche Stimme”-Verlag, gilt als Cheforganisator und ist auch bei vielen Kameradschaftern und NPD-Kritikern wohl gelitten. Seine Meinung ist gewiss ein Pfund, unser seiner Meinung nach charakterisiere die jetzige Parteiführung “Konzeptlosigkeit, mangelnde Fähigkeit zu strategischem Denken, einseitige Erfolgsprognosen und schwache Fehleranalyse”. Apfel könne dagegen “als einziger ein klares Konzept” vorweisen und mit der “Unterstützung durch die erfolgreichen Landesverbände” Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern rechnen.

Bräuniger wirft dem Noch-Vorsitzenden Voigt unter anderem einen “verantwortlungslosen” Umgang mit den kriminellen Finanzschiebereien der Partei vor. Außerdem vermisst Bräuniger – nach eigenen Worten “im Bereich eines rassisch vorgemerkten Nationalismus anzusiedeln” – bei seinem Chef die nötige Radikalität: “Ein Neger gilt bei ihm als Deutscher, die Juden als reine Religionsgemeinschaft, ein zersetzender Araber sollte gegen der Willen der Berliner NPD als Mitglied aufgenommen werden.”

Apfel weise dagegen eine “seriöse Radikalität” auf, auch wenn hier wieder im Dunkeln bleibt, worin das “klare Konzept” des Führungs-Kandidaten (abgesehen von der Ausländerfeindlichkeit) besteht. Offenbar nicht in seiner Anti-EU-Kampagne, die selbst laut Bräuniger aus nicht mehr als einem “Transparent an der Fassade der Berliner-Zentrale und zwei bis drei Flugblätter[n]/Aufklebern” bestanden hätte. Das spricht eben nicht für Apfel. Aber Bräuniger vergisst nicht, sich bei ihm für einen Führungsposten im neuen Parteivorstand zu empfehlen. Auf Apfels “Wunschliste” (siehe oben) steht er bereits.

Der Fisch stinkt vom Kopf her

Eindeutig für Apfel hat sich auch der hessische Landesvorsitzende Jörg Krebs positioniert. Noch am Berliner Wahlabend kommentierte Krebs bei “Deutschland Echo”, dass es “hohe Zeit” sei, “an der obersten Spitze der Partei für umfangreiche personelle Veränderungen zu sorgen”, denn “der Fisch stinkt vom Kopfe ab”. Mit diesem Kommentar war der Burgfrieden gebrochen und eine Schlammschlacht eröffnet.

Der bayrische NPD-Chef Ralf Ollert beteiligte sich daran in einer Facebook-Diskussion und empfahl seinen Kameraden, der “neu zu wählenden Führungsspitze der Partei zu folgen und die Erneuerung der NPD nach dem Vorbild Sachsens und Mecklenburg-Vorpommerns voranzutreiben”. Und neben Voigt habe auch sein Vertrauter und Chef des Berliner Landesverbandes, Uwe Meenen, zurückzutreten.

Dem Vernehmen nach sind auch die Parteitags-Delegierten aus Baden-Württemberg und Thüringen mehrheitlich Apfel-freundlich gesonnen. Der bisher einzige “prominente” Voigt-Unterstützer ist das aktuelle Vorstandsmitglied Thorsten Heise. Für ihn hat Apfel laut der besagten Vorschlagsliste aber sowieso keine weitere Verwendung.

Bisher keine Reaktion von “oben”

Noch keine Stellungnahme gibt es von Udo Voigt. Zuletzt hatte er in einer Mitteilung der Bundespartei die von ihm als Spitzenkandidat forcierte Berlin-Wahl zur “Niederlage” erklärt, ohne freilich Konsequenzen anzukündigen. Parallel dazu ist die sächsische Mitteilung zu Apfels Kandidatur auch auf der Website der Bundespartei abrufbar. Unwahrscheinlich also, dass sich Voigt nicht doch noch zu Wort meldet. In Neonazi-Foren wird gar spekuliert, Voigt könnte kurz vor dem Parteitag seinen freiwilligen Rücktritt bekanntgeben, um einer Kampfabstimmung und einem Bruch in der Partei vorzubeugen.

Andererseits wirkt auch deren Pro-Apfel-Fraktion weniger einheitlich und überzeugend, als es durch konzertierte Stellungnahmen den Eindruck macht. Obwohl Apfel nunmehr als Wahlkampf-Kompetenz in Person hingestellt wird, kann beispielsweise der neben Pastörs als Apfel-Stellvertreter vorgesehene Frank Franz im Saarland weder eine agile Parteiarbeit, noch einen gelungenen Wahlkampf vorweisen. 2009 bekam die NPD im Saarland nur 1,5 Prozent, am 23. Oktober will Franz dennoch Oberbürgermeister in Saarbrücken werden. In Apfels Masterplan steckt ein Hauch von Größenwahn.

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Machtkampf in der NPD: Apfel fordert Voigt heraus

NPD-Blog 20. SEPTEMBER 2011 03:29

Wie NPD-BLOG.INFO bereits berichtet hatte, wird der Sächsische NPD-Fraktionschef Holger Apfel beim kommenden Bundesparteitag für den Vorsitz der Neonazi-Partei kandidieren. Damit könnte die Zeit von NPD-Chef Udo Voigt an der Parteispitze ablaufen.

Von Patrick Gensing

Mit seiner Kandidatur komme er „dem Wunsch zahlreicher Parteifreunde aus vielen Landesverbänden nach“, teilte Apfel in einer Pressemitteilung mit. „Gerade an der Parteibasis, aber auch auf der Vorstandsebene vieler Verbände“ werde „der Ruf nach einem Wechsel auf Bundesebene lauter“, verkündete Apfel. Ausschlaggebend seien „vor allem Gespräche mit dem Vorsitzenden unserer Fraktion im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern“ gewesen.


Holger Apfel (Foto: J. Wrede)

NPD-BLOG.INFO hatte bereits berichtet,
dass Udo Pastörs nach Apfels Plänen Parteivize werden solle. Dies bestätigte sich nun: In Absprache mit Udo Pastörs erkläre er seine Kandidatur für den Parteivorsitz, so Apfel, und er freue sich, „daß sich dieser bereiterklärt hat, sich im Falle meiner Wahl um das Amt des stellvertretenden Parteivorsitzenden zu bewerben“.

Bereits nach der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern war deutlich geworden, dass sich die Parteifunktionäre an der Küste mit einem Vorsitzenden Apfel arrangieren könnten. Pastörs und auch Peter Marx übten deutliche Kritik am Kurs der Parteispitze.

“Seriöse Radikalität” und Anti-Euro-Kampagne

Seine Entscheidung sei bereits in den vergangenen Monaten „gereift“, so Apfel weiter. Er habe Voigt bereits über seine Entscheidung informiert. Der NPD-Fraktionschef in Sachsen will offenkundig weiterhin nach außen möglichst bürgerlich auftreten, ohne sich von radikalen Inhalten zu trennen. Apfel bringt daher erneut den Begriff „seriöse Radikalität“ ein, dies bedeute, „konstruktiv, gegenwartsbezogen und volksnah für einen radikalen, d.h. an die Problemwurzel gehenden Politikwechsel einzutreten“, so Apfel.


Ein Beier, ein Apfel, ein Faust, ein Voigt und ein Pühse
flanieren zum Sozialkongress der NPD unter der Hochbrücke.
Motto: Sehen und nicht gesehen werden, denn die Bremer
wollten von den Nazis nichts wissen.
(Foto: Kai Budler)

Thematisch will die NPD vor allem als Anti-Euro-Partei auftreten. Hier verspricht sich der Neonazis angesichts der Eurofinanzschuldenkrise die größten Chancen – „als Schutzmacht der deutschen Steuerzahler und Sparer gegen das Brüsseler Umverteilungs-Regime“.

Bundesvorstand ohne Voigt?

Parteichef Voigt konnte sich in den vergangenen Jahren trotz massiver interner Kritik an der Spitze der NPD halten. Doch sollten sich nun die mächtigen Fraktionschefs aus Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gemeinsam gegen ihn stellen – mit Wahlerfolgen im Rücken – dürfte eine Wiederwahl Voigts fast unmöglich werden. Vor allem, da der Parteivorsitzende nach dem Tod von Jürgen Rieger einen wichtigen Unterstützer verloren hatte.


Kummer gewohnt: NPD-Vize Faust und Parteichef Voigt
am 30. April 2011 in Bremen
(Foto: Kai Budler)

Einem Dokument zufolge, das NDR Info vorliegt, sieht Apfel auf seiner Kandidatenliste keine führende Rolle mehr für Voigt vor – demnach soll der langjährige Parteichef nicht einmal mehr im Bundesvorstand sitzen.

Neben Pastörs sieht das Papier Karl Richter aus München und Frank Franz aus dem Saarland als Stellvertreter an der Spitze vor. Die Vorschlagsliste der Sachsen-NPD liest sich ansonsten wie ein „ Who is Who“ der NPD: Jörg Hähnel, Jens Pühse, Eckart Bräuniger, Patrick Wieschke, Frank Schwerdt, Stefan Köster, Arne Schimmer, Ingmar Knop, Michael Schäfer, Andreas Storr, Andy Knape, Wolf Lehner und Ronny Zasowk. Einzige Frau auf der Liste ist Birgit Fechner.

Die NPD plant ihren Bundesparteitag für Mitte Oktober, wahrscheinlich in Gera.